Gruppen von Leuten sind heutzutage, denn wir sind nicht mehr im Mittelalter, gemischt. Das bedeutet, dass es mal blonde, mal schwarzhaarige gibt. Und natürlich rothaarige. Und eigentlich ist damit gemeint, dass diese Gruppen aus Mädchen und Jungs oder Frauen und Männern bestehen. Im Alter sind sie nicht gemischt, weil die Älteren die Jüngeren zu kindisch finden und die Jüngeren die Älteren für nicht kindisch genug halten (wieso nur wollen die Älteren nie Essenschlachten machen oder Sackhüpfen spielen?).
Und als Junge sollte man nie aus irgendeinem Grund sagen, dass man eines der Mädchen aus dieser gemischten Gruppe schön findet. Es gibt erstaunlich viele Gründe dafür, dass es einem über die Zunge flutscht. Entweder ist man sehr betrunken (denn in Gruppen wird immer getrunken, um die Mädchen zu beeindrucken und/oder die Kumpels zu beeindrucken) und dadurch so mutig (oder eher hemmungslos), dass man es gesteht. Oder man sagt es so zum Spaß (zum Beispiel so: »Haha, das ist so lustig wie du schön bist« oder »Wie du mich eben beleidigt hast, finde ich so schön wie dich«). Oder man sagt es einfach, weil man sich verspricht.
Sowas zu sagen ist ziemlich dumm. Vor allem weil bekannt ist, dass Männer und Frauen keine Kumpels sein können. Die Rede ist von Männern oder Jungs und schönen Frauen und nicht von Jungs und Mädchen oder Männern und nichtschönen Frauen oder Jungs und nichtschönen Frauen. Männer sind oberflächlich, ganz genau. Natürlich versucht man das zu ignorieren oder zu verheimlichen. Ein Mann würde seiner schönen Kumpelin niemals auf die Brüste starren, es sei denn sie bemerkt es nicht. Er würde sie auch nie zu küssen versuchen, es sei denn sie ist betrunken. Und er würde nie von ihr Träumen, weil er gerade von einer anderen schönen Kumpelin träumt.
Aber diese ganze Schein-nur-Freundschaft wird natürlich in Gefahr gebracht, wenn man sich für so eine Schein-nur-Freundschaft kontraproduktiv verhält. Man sollte zum Beispiel nicht den kleinsten Bikini für seine Kumpelin raussuchen (und erst recht nicht es zu begründen versuchen, indem man sagt, dass es am Strand ja warm sei und man mit zu viel Stoff schwitzt). Man sollte nicht Brust-OPs verschenken. Und keinesfalls sollte man seiner Kumpelin sagen, dass sie schön sei. Und ihr dabei erst recht nicht woanders als ins Gesicht gucken.
Drei Sachen kann die Frau nun denken. Entweder dass man ein grüner Apfelkuchen ist oder eher die beiden wahrscheinlicheren Dinge.
Sagt man es in einem ernsten Ton, denkt sie, dass man etwas von ihr wolle. Nicht dass es nicht tatsächlich so ist und vor allem hat sie sich das schon gedacht seit man ihr zum ersten Mal zum kurzen Rock ohne was drunter (»Unterwäsche ist unhygienisch«) geraten hatte. Aber diesmal ist es anders. Schließlich wurde nun indirekt ausgesprochen, was die ganze Zeit gedacht wurde. Und wenn das tatsächlich in einer Gruppe gesagt wurde, wissen das nun auch noch alle anderen. Und während die anderen Frauen denken »Die Ärmste, nun ist die Schein-nur-Freundschaft kaputt.«, denken die Kerle: »Bravo Junge, vielleicht bist du der erste Kerl, der nun die Schein-nur-Freundschaft kaputt gemacht hat und in eine Liebesbeziehung gerutscht ist.« In der Regel ist dieser Kerl nicht der erste Kerl, der die Schein-nur-Freundschaft kaputt gemacht hat und in eine Liebesbeziehung gerutscht ist. Er und sie würden sich nie wieder sehen und er könnte in Zukunft weiterhin nur noch von ihr träumen. Über die Zeit hinweg verblasst natürlich die Erinnerung und man stellt sie sich wie Pamela Anderson vor. Nur in schön.
Oder man sagt es in einem netten, leichtsarkastischen Ton oder monoton. Das beendet die Schein-nur-Freundschaft erst recht. Denn genauso hätte man das in einem ernsten Ton sagen können (doch dann würde man ja die Schein-nur-Freundschaft kaputt machen). Aber das hat man nicht. Und so kommt sie ins grübeln und denkt sich, dass sie gar nicht schön ist. Sie fühlte sich ja schon immer ausgesprochen hässlich, wünschte sich eine schönere Nase, einen weniger fetten Hintern und insgeheim einen Kumpel, der ihr eine Brust-OP schenkte. Und nun kam auch noch hinzu, dass ihr Kumpel (ihr Kumpel) sie indirekt darin bestätigte, dass sie gar nicht schön sei. Das ganze war also keine Schein-nur-Freundschaft sondern tatsächlich nur eine Freundschaft. Er und sie würden sich nie wieder sehen und er könnte in Zukunft weiterhin nur noch von ihr träumen oder es nicht tun, wenn sie tatsächlich nicht schön ist.
Man sollte also hoffen, dass die schöne Kumpelin lediglich von einem denkt, dass man ein grüner Apfelkuchen sei.
Am besten, man malt sich grün an, das erhöht die Möglichkeit.