Tron: Legacy Review

Während ich die Entwicklung von Tron: Legacy verfolgte, schwirrten mir mehrere Fragen im Kopf, die ich, zugegeben, voreilig beantwortet habe... falsch beantwortet habe.

Wird der Film eine bessere Handlung haben? Naja, den Reviews nach kaum.

Wird der Film visuell ebenbürtig sein? Nein, den Bildern nach definitiv nicht.

Wird der Film insgesamt ein würdiges Sequel sein? Den Antworten der ersten beiden Fragen nach eher weniger.

Werde ich es schaffen, bei den hautengen Kostümen, den Frauen nicht auf den Hintern zu starren, sondern mich auf den Film zu konzentrieren? Klaro, ist ja keine große Sache!

Jetzt habe ich den Film gesehen. (Und der Saal war voll, dafür dass da Männer in leuchtenden Strampelanzügen rumspringen und es doch insgesamt eher Nerdsache ist, oder?)

So sieht’s mit der Handlung aus: Sie ist verdammt gut.

Okay, offenbar schreibt jeder zweite (oder ein paar mehr), dass der Film verwirrend und doof ist. Der Film hat mittendrin plötzlich an Tempo nachgelassen und ist langweilig.

Kann ich nicht zustimmen. Okay, der Film ist mittendrin langsamer. Aber das ist nötig. Das ist der Teil mit der Handlung. Eigentlich ist es wie das Original. Man schiebt da mal eben ein Lichtrennen ein. Hier und dort ein Diskus-Kampf. Und die Handlung dann als großen Brocken, wenn gerade nicht die Fetzen fliegen. Und es ist vollkommen in Ordnung so.

Und die Geschichte selbst ist auch nicht unbedingt verwirrend. Es gibt kleinere Fragen, aber man muss bei so Filmen immer einfach akzeptieren, dass die Welt so funktioniert und es deshalb so möglich ist. Da sollte man auch nichts erklären, denn die Zuschauer einer Romantikkomödie möchten ja auch nicht erklärt bekommen, wie das Auto funktioniert, das die Protagonistin da fährt (und sind wir mal ehrlich: Welcher Romantikkomödiengucker weiß, wie ein Auto funktioniert?).

Und selbst wenn ihr den Mittelteil langweilig findet: Das Finale macht alles wieder wett.

Ich finde jedoch schade, dass die Welt, die Flynn da baute, von Anfang an im „jetzigen“ Stil ist. Mir fehlt, dass es mit dem Tron-Design anfing und eine Entwicklung zum Legacy-Design gibt.

Wo wir beim Design sind: Der Film sieht arg toll aus.

Tron: Legacy ist ein Kunstwerk. Alles sieht nahezu perfekt aus. Es gibt wunderschöne Kameraeinstellungen, man scheint sich bei jeder Einstellung was gedacht zu haben. Ich kann es schlecht beschreiben – ein Bild sagt mehr als tausend Worte... leider sind die Promobilder nicht annähernd so gut wie das, was man im Film tatsächlich bekommt.

Ich finde das Design des Originals immernoch besser. Im Original gibt es mehr „Schaltkreise“ auf den Kostümen. Aber an die neuen Anzüge gewöhnt man sich schnell. Sie sind auch meistens durch das schwarz schön kontrastreich.

Nicht sehr kontrastreich ist der Film am Anfang (in der Computerwelt). Dadurch dass der glatte Boden im Offenen so viel Licht spiegelt, sticht der Rest weniger stark hervor. Das Wasser im Film leuchtet hingegen nicht, das ist schade. Dafür sind die Räume viel zu gut beleuchtet. Eine Bar ist fast komplett weiß, mit nur wenigen Übergängen ins (schwach) Dunklere. Sie hätten einfach die Räume ähnlich wie die Kostüme machen sollen.

Und letztendlich muss ich die Farben bemängeln. Es gibt (bis auf seltene Ausnahmen) nur Weißblau, Rot und Gelborange. Im Original gab es auch nicht unbedingt mehr, aber ärgerlich ist, dass der Film sehr, sehr viel Weißblau hat (nichtmal nur blau, sondern wirklich überwiegend weiß, das in blau übergeht). Wie gesagt: Die Kameraeinstellungen sind toll, die Anzüge schnell okay. Auf den Storyboards hat sicher alles perfekt ausgesehen. Bis man es dann einfärbte und der Meinung war, dass Knallgrün oder –pink einfach zu viel fürs Publikum wäre. Wäre es nicht...

Jedoch wird der Film gegen Ende immer attraktiver. Wenn dann das Weißblau vom Rot und dem Kontrast vertrieben wird.

Und leider hat Avatar und seine Imitatoren ein wenig den Witz aus 3D genommen. Denn Tron: Legacy verfährt mit dem 3D auf wunderbare künstlerische Weise. Es sei ein Stilmittel, schreiben Sie am Anfang des Films, dass nicht alle Teile des Films in 3D zu sehen sind. Und es ist ein schönes Stilmittel. Nur leider bin sogar ich, der nur drei 3D-Filme gesehen hat (ziehen wir mal die IMAX-„Grafikdemos“ ab), bereits so an das Zeug gewöhnt, dass es kaum Effekt auf mich hat. Aber der Gedanke dahinter ist mir klar (meine ich), und das reicht mir schon.

Man muss es sehen!

Der Film ist auf jeden Fall ein würdiges Sequel. Ich halte die Handlung für besser. Ich bin mit dem Design zufrieden. Mehr kann man dazu nicht sagen.

Ich habe mich geirrt. Tron: Legacy ist ein Film, den man sich kaufen und neben die Tron-DVD stellen kann.

Außerdem ist Beau Garrett im hautengen Anzug ein Hingucker. Aber ich habe den Film um mich herum nicht völlig vergessen!