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Meine beiden größten Probleme mit Life Is Strange (Spoiler)

Ich habe dieses Wochenende Life Is Strange durchgespielt und ich finde es wunderbar und ich kann es nur weiterempfehlen. Es ist also nur angebracht, dass ich nun an etwas, das ich mag, rummeckere.

Mich stört das Ende. Nicht das eigentliche Ende. Das eigentliche Ende ist, Chloe sterben zu lassen. Und es ist ein wirklich gutes Ende. Das ist, worauf das ganze Spiel hinarbeitet. Das ist, wieso dieser Zweig die tolle Filmsequenz hat, wohingegen die andere Entscheidung zu einem superkurzen 2nd Unit Director Video ohne zufriedenstellenden Abschluss führt: Wenn Chloe jetzt nicht stirbt, wieso sollte das Schicksal sie dann plötzlich in Ruhe lassen? Aber richtig doof ist, dass man am Ende des Spiels vor der Wahl gestellt wird zwischen dem eigentlichen Ende und dem Möchtegernende. Dass dieser schöne Moment kaputt gemacht wird, nur damit der Spieler noch einmal so tun kann, als hätte er irgendeine Macht. Obwohl die ganze fünfte Episode und auch das eigentliche Ende darauf hinarbeitet, dass man diese Macht eben nicht hat oder nicht so nutzen sollte. Nun lasse ich mir dadurch natürlich nicht das Spiel ruinieren, aber es ist eine so auffällig doofe Entwicklungsfehlentscheidung gewesen, dass ich nicht lassen kann, sie zu kritisieren.

Außerdem zu kritisieren: Chloe. Denn bis zum Ende war Chloe einfach keine angenehme Person. Und natürlich war sie per Design dickköpfig und anstrengend, aber sie war einfach so, so dickköpfig und anstrengend. Und wie gesagt, ihr Ende ist ein wirklich gutes Ende. Aber nur wenn man glaubt, was sie einem sagt. Denn sie hat das ganze Spiel über nicht ein bisschen diese Seite gezeigt. Das ganze Spiel über wollte sie jeden töten, der ihr nicht gefiel. Fast immer hat sie in Gesprächen mit Max die verstorbene Freundin so in den Himmel gelobt, als wäre die Beziehung zur lebenden Freundin völlig egal. Chloe hatte das ganze Spiel nur Rache für Rachel im Kopf. Das einzige, was Max für sie interessant machte, was Max‘ Zeitkräfte. Chloe ist einfach abstoßend charakterisiert.

Und diese beiden derbe Probleme zeigen besonders, was ich sonst an Life Is Strange mag. Denn das Spiel ist so stark und rührend durch seine Charaktere. So eignen sich die Entscheidungen in den Dialogen mit den Mitschülern bestens, sie kennenzulernen. Eigentlich sind Max‘ Mitschüler gute Menschen. Zumindest die meisten. Und sie möchten Max gerne mögen. Man muss nur mit ihnen reden. Und sich nicht blöd aufführen. Wenn man sich blöd aufführt, kriegt man in der Regel gesagt, wieso das unangebracht war. Und hier sind die Zeitkräfte so gut eingesetzt. Weil man Fehler machen darf, um aus ihnen zu lernen. Natürlich kann man das System betrügen und einfach die Entscheidungen treffen, von denen man glaubt, dass das Spiel sie am meisten belohnt. Aber man kann auch einfach kein Arschloch sein und sollte Kate nicht davon abraten, zur Polizei zu gehen, nur damit man selbst nicht in Ärger verwickelt wird. Chloe hingegen ist immer unzufrieden. Bis kurz vorm Ende. Sie ist einfach kein guter Charakter. Und es ist egal, wie man mit ihr umgeht. Sie ist immer kein guter Charakter. Und die letzte Entscheidung im Spiel ist zwischen einem sehr guten Ende, in dem diese Figur endlich erträglich ist (wenn auch völlig aus dem Blauen, har), und einem Roadtrip mit diesem nicht-guten Charakter.